Wer kümmert sich um Materialien und Bauteile in zirkulären Prozessen? Wie kann ein professioneller Prozess der Fürsorge für Materialien und Bauteile gestaltet werden, der transformativ wirkt und gesellschaftliche Verantwortung fördert?
Im Herbst 2026 realisierten wir gemeinsam mit unseren Projektpartnern, der Hochschule Luzern sowie dem Hersteller Flumroc, ein Grundlagenforschungsprojekt zur Zirkularität von Steinwolle, das durch den CBI Booster gefördert wurde. In der Schweiz existiert ein grosses, weitgehend unsichtbares Materiallager von rund 11 Mio. m³ verbauter Steinwolle. Der Hersteller ist daran interessiert, dieses Material künftig zurückzunehmen, verfügt jedoch bislang über keinen etablierten Prozess, der den Materialfluss der rückgewinnbaren Steinwolle zuverlässig gewährleisten würde.
Bau-Teilen unterstützte das Projekt sowohl als Anwenderin als auch als Expertin für gesamtheitliche Bauprozesse. Ziel war es, das Wissen aus dem Langzeitprojekt Bauteilcare einzubringen. Dabei griffen wir auf den etablierten Care-Prozess der Care-Ethik nach Joan Tronto zurück, der ursprünglich vor allem in Care-Berufen Anwendung fand, jedoch für alle Bereiche der Gesellschaft entwickelt wurde – und hier erstmals auf den Umgang mit Materialien und Bauteilen im Bauwesen übertragen wird.
Wir führten Expert*inneninterviews mit allen am Bauprozess beteiligten Stakeholdern durch. Die Interviews zeigen, dass die Akteur*innen für zirkuläres Bauen sensibilisiert sind und den materiellen Wert der Bauteile erkennen. Gleichzeitig erschwert die Unsichtbarkeit der verbauten Materialien deren Rückgewinnung. Viele Aktivitäten basieren auf intrinsischer Motivation und informellen Prozessen. Deutlich wird der Wunsch nach einer übergeordneten Zirkular-Expertise, die den gesamten Prozess koordiniert und begleitet.
Wir suchen nun nach einem konkreten Projekt, in dem wir die Rezyklierbarkeit von unsichtbaren Materialien wie Steinwolle anhand des entwickelten Care-Prozesses in der Praxis testen können.